Kunst ausleihen: Gemeinde Langnau lanciert Artothek
Eine Bibliothek und eine Ludothek gibt’s schon, nun kommt auch noch eine Artothek dazu: Rund 120 Objekte aus der reichhaltigen Kunstsammlung der Gemeinde Langnau können ab März gegen ein bescheidenes Entgelt für ein Jahr ausgeliehen und ins heimische Wohnzimmer gehängt werden. Ausgewählt und reserviert wird über eine Website.
Im alten Militärspital in Langnau, in den dunklen Kellerräumen unter der Turnhalle des Oberstufenzentrums, ist die Kunstsammlung der Gemeinde Langnau untergebracht. Rund 3000 Objekte sind dort fachgerecht gelagert, bei stimmiger Temperatur und passender Luftfeuchtigkeit.
Was machen mit so viel Kunst, die eigentlich allen Langnauer:innen gehört? Diese Frage stellte sich auch die Kulturkommission der Gemeinde. Und entwickelte eine Idee: die Artothek.
Artothek: Kunst ausleihen
Eine Artothek ist dasselbe wie eine Bibliothek – mit dem Unterschied, dass nicht Bücher, sondern Kunstwerke ausgeliehen werden können. Vorerst hat die Kulturkommission rund 120 Werke von 11 nationalen und internationalen Künstler:innen definiert, die zur Ausleihe kommen. Wenn die Nachfrage gross ist, kommen später weitere Werke dazu.
Auf der Website https://artothek-ie.ch werden die Kunstwerke präsentiert und die Künstler:innen vorgestellt. Dank der hoch aufgelösten Fotos können sich Interessierte einen guten Eindruck von den Objekten verschaffen und die Breite der Kunstsammlung kennenlernen: Zeichnungen, Lithografien, Radierungen, Holzschnitte, Bilder in Öl, Deckfarben, Tusche oder Aquarell sowie Bronzeplastiken stehen zur Auswahl.
Vom Keller ins Wohnzimmer
Gefällt ein Kunstwerk, kann es über die Website reserviert und gegen eine geringe Gebühr für ein Jahr ausgeliehen werden: Bürger:innen Langnaus zahlen pro Werk Fr. 25.00 Miete, Auswärtige Fr. 40.00. Bei jedem Objekt ist verzeichnet, ob und wann es verfügbar ist. Es wird für jedes Kunstwerk ein Ausleihvertrag ausgestellt, die Versicherung ist Sache der Leihnehmer:innen. Am 28. und 29. März finden die ersten Ausleihtage statt.
Die Kunstsammlung der Gemeinde
Bis 2019 umfasste die Kunstsammlung der Gemeinde etwa 500 Objekte. Die meisten davon waren als Schenkungen in den Besitz der Gemeinde gekommen, darunter etwa Arbeiten von Clara Mattli, Kläri Lüthi und Hans Gartmeier. 2019 kamen auf einen Schlag rund 2500 Werke dazu: Sie gelangten nach der Auflösung der «Stiftung Hans Ulrich Schwaar» in den Besitz der Gemeinde. Heute umfasst die kommunale Kunstsammlung rund 3000 Objekte.
Hans Ulrich Schwaar
Der Volksschullehrer Hans Ulrich Schwaar (1920-2014) verstand die Schule als Ort der Kultur. So brachte er in den 1950er-Jahren erste Originalwerke in sein Klassenzimmer im Gohlgraben. In den folgenden 60 Jahren wuchs eine Sammlung von rund 2500 Kunstwerken heran: Werkgruppen verschiedener Schweizer Künstler, des Franzosen Alfred Manessier und von Künstler:innen seiner späten Wahlheimat Finnland. 1984 errichtete Schwaar die «Stiftung Kunst auf dem Lande». Die Kulturkommission der Gemeinde Langnau hat die Aufgabe übernommen, die Sammlung in ihrem wesentlichen Bestand zu erhalten, sodass sie sowohl der Öffentlichkeit wie auch der Forschung dienen kann.