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Neu in der Langnauer Artothek: Werke von Hans Gartmeier

Vor anderthalb Jahren startete die Artothek mit 135 Werken aus der Kunstsammlung der Gemeinde. Die Nachfrage ist ungebrochen – Grund genug, das Angebot auszubauen.

Hans Gartmeier, Selbstporträt als 18-Jähriger, 1928

Die Gemeinde Langnau besitzt ein Kunstarchiv mit etwa 3'000 Objekten. Etwa 2'500 Werke stammen aus der Stiftung Hans Ulrich Schwaars, die nach der Auflösung im Jahr 2019 der Gemeinde überlassen wurde. Der Kulturkommission fiel somit die Aufgabe zu, dafür eine sinnvolle Verwendung zu finden.

Im März 2025 startete sie deshalb die Langnauer Artothek: 135  Kunstwerke von zwölf Künstler:innen stehen seither auf der Website www.artothek-ie.ch zur Auswahl. Diese können gegen ein bescheidenes Entgelt für ein Jahr ausgeliehen werden.

Die Nachfrage war erstaunlich gross – und hat die Kulturkommission bestärkt, das Angebot weiter auszubauen. Deshalb ist neu auch eine Werkgruppe des Langnauer Malers Hans Gartmeier (siehe unten) Teil der Artothek. Die Bilder gelangten als Schenkung der Erbengemeinschaft in die Stiftung Schwaar, als sich der Stifter bereits nach Finnland zurückgezogen hatte.

Bilder eines romantischen Emmentals

Ohne Seitenblick auf die Strömungen seiner Zeit schlägt Hans Gartmeier schon als junger Maler einen eigenen Weg ein. Ausgehend von seinem Studium in Basel und Düsseldorf, orientiert er sich konsequent an den alten Meistern und wird zum bodenständigen Heimatmaler des Emmentals. Bei aller Liebe zum Detail ist er kein Realist – seine Landschaften und die bäuerlichen Szenen schildern ein idealisiertes, romantisches Emmental: Als längst schon Traktoren Einzug gehalten haben, pflügen und schleppen auf seinen Bildern noch immer Rossgespanne, die Silos und die Hochspannungsmasten lässt er einfach weg. Mit dem bärtigen, Pfeife schmauchenden Grosätti schafft er eine ikonische Emmentaler-Figur, die er unzählige Male variiert.


Hans Gartmeier (1910-1986)

Hans Gartmeier kommt 1910 in Langnau zur Welt. Er ist vier Jahre alt, als seine Familie nach Konolfingen zieht, wo der Vater eine Schreinerei betreibt. Schon für den Knaben scheint das Ziel, Maler zu werden, festzustehen. Eine Lehre im väterlichen Betrieb kommt für ihn nicht infrage, verschiedene Anläufe in «seriösen» Berufen bricht er ab, bis sein Zeichenlehrer am Technikum Burgdorf den Eltern rät, den begabten Burschen nach Basel in die Kunstgewerbeschule zu schicken. 1930 installiert sich der Zwanzigjährige als Maler in seinem Elternhaus in Konolfingen. Erste Verkäufe und Porträt-Aufträge ermutigen ihn, doch spürt er, dass er das Erworbene noch vertiefen muss.

Ein Stipendium ermöglicht ihm einen Aufenthalt an der Kunstakademie in Düsseldorf, wo er sich in den klassischen Disziplinen des figürlichen Zeichnens, der Anatomie und des Aktstudiums weiter voranbringt. Als er nach anderthalb Jahren nach Konolfingen zurückkehrt, findet er in weiten Kreisen Anerkennung als Kunstmaler; Ausstellungen und Aufträge von Verlagen ermöglichen ihm eine bescheidene Existenz.

Auf dem Chuderhüsi begegnet er Rosa Lehmann, 1939 halten sie Hochzeit. Im Aktivdienst erwirkt Gartmeier zusammen mit den Berner Malern Traffelet und Morgenthaler die Möglichkeit, ihre künstlerische Arbeit fortzusetzen, indem sie internierte Soldaten porträtieren. Eine Ausstellung in Bern rückt Gartmeier ins Rampenlicht, seine bodenständigen Motive und die traditionelle Darstellungsweise erschliessen ihm ein wachsendes Publikum.

Mit den beiden Söhnen Hansruedi und Konrad ist aus dem Paar inzwischen eine Familie geworden. Etliche Verkäufe erlauben Gartmeier 1942 in Meienried, hoch über Bowil, ein eigenes Heim bauen zu lassen. Mit der Geburt von Annemarie und Peter ist die Malerfamilie schliesslich komplett. Hier, mit weitem Ausblick über die emmentalische Hügelwelt, entsteht in mehr als 40 Jahren Gartmeiers umfangreiches Lebenswerk. Öffentliche Aufträge, wie das Wandgemälde im Langnauer Ilfis-Schulhaus, und verschiedene Drucktechniken wie Radierung und Lithografie erweitern sein Schaffen, stets aber sind es die heimatlichen Motive, die den Künstler und sein Publikum gleichermassen ansprechen.

Tochter Annemarie erinnert sich, wie das Künstlerhaus mit dem kecken Ateliertürmchen inmitten des Bauernlandes nicht durchwegs mit Wohlwollen betrachtet wurde. Unter «wärche» verstand man hier etwas anderes, und die gelegentlichen Besuche seiner Aktmodelle passten auch nicht in das evangelikal geprägte Milieu. Visiten von weither machten das Haus zu einer kulturellen Insel, so fand auch der betagte Friedrich Dürrenmatt, der wie Gartmeier die Jugendjahre in Konolfingen verbracht hatte, den Weg auf das Meienried, wo er eine Widmung hinterliess, die Hans Gartmeier als eine besondere Ehrung aufbewahrte: «Meinem lieben Lehrer Hans Gartmeier, dem ich die ersten Eindrücke verdanke, was Malen und Schreiben bedeutet – Friedrich Dürrenmatt – (Profi-Schriftsteller und Amateur-Maler)».

Hans Gartmeier, Berner Alpen vom Chuderhüsi, um 1950
Hans Gartmeier, Mädchenporträt, um 1955
Hans Gartmeier, Gusti, nicht datiert